Leitfaden
Sicherheit und Recht bei privater Samenspende
Eine Klinik prüft Spender, bevor sie sie akzeptiert. Privat prüft niemand für euch – aber ihr könnt dieselben Standards anlegen. Diese Seite zeigt, wie.
Private Samenspende verlagert Verantwortung: Was in der Klinik Vorschrift ist, liegt privat bei euch. Das ist kein Grund, den Weg nicht zu gehen. Es heißt nur, dass ihr ein paar Dinge selbst erledigen müsst, die sonst ein Labor und eine Rechtsabteilung übernehmen. Die gute Nachricht: Es sind wenige, und sie sind machbar.
Die Gesundheitstests
Diese Untersuchungen macht eine Klinik standardmäßig, bevor sie einen Spender annimmt. Verlangt privat dasselbe – ein seriöser Spender hat damit kein Problem.
HIV
Der wichtigste Test. Er sollte aktuell sein, als Faustregel nicht älter als drei Monate, und vor der Spende wiederholt werden, wenn Zeit vergangen ist.
Hepatitis B und C
Beide Viren sind über Körperflüssigkeiten übertragbar und lange symptomlos. Ein Bluttest schafft Klarheit.
Syphilis
Ein Standard-Bluttest. Die Infektion ist gut behandelbar, aber unbehandelt für Schwangere und Kind gefährlich.
Gonorrhö und Chlamydien
Die häufigsten bakteriellen Infektionen, oft ohne Symptome. Getestet wird per Urinprobe oder Abstrich.
Spermiogramm
Kein Infektionstest, sondern die Frage, ob die Spende überhaupt Aussicht auf Erfolg hat: Anzahl, Beweglichkeit und Form der Spermien.
Genetische Abklärung
In Kliniken teils Standard (Karyogramm). Privat sinnvoll, wenn Erbkrankheiten in der Familie des Spenders bekannt sind. Sprecht offen darüber.
Auf unserer Plattform können Spender STI-Tests, Spermiogramm und Blutgruppe freiwillig verifizieren lassen. Das ersetzt nicht den aktuellen Befund vor der Spende – fragt immer nach dem Datum.
Sicher kennenlernen
Zwischen erstem Kontakt und Spende liegen im besten Fall mehrere Wochen. Nehmt euch diese Zeit.
- 1
Erst schreiben, dann sehen
Bleibt am Anfang im Postfach der Plattform. Ein Videoanruf vor dem ersten Treffen zeigt euch, mit wem ihr es zu tun habt.
- 2
Erstes Treffen öffentlich
Café statt Wohnung. Beim ersten Treffen geht es ums Kennenlernen und um Erwartungen, nicht um die Spende.
- 3
Befunde austauschen
Vor der Spende zeigt der Spender aktuelle Testergebnisse, im Original oder als Foto mit sichtbarem Datum. Auch ihr könnt eure Befunde teilen – Vertrauen ist keine Einbahnstraße.
- 4
Absprache schriftlich festhalten
Bevor es ernst wird, haltet ihr fest, was vereinbart ist. Was hineingehört, steht unten.
Warnsignale
Brecht den Kontakt ab und meldet das Profil, wenn jemand …
- auf Geschlechtsverkehr drängt, obwohl ihr die Bechermethode wollt.
- Geld verlangt, das über belegte Auslagen wie Fahrtkosten oder Tests hinausgeht.
- aktuelle Tests, den Ausweis oder ein Videogespräch verweigert.
- Druck macht, es schnell und ohne schriftliche Absprache zu erledigen.
- ausweichend antwortet, wie oft er schon gespendet hat.
Jedes Profil hat eine Melden-Funktion. Wir sehen uns jede Meldung an.
Der rechtliche Rahmen, kurz gefasst
Private Samenspende ist in Österreich erlaubt. Das Fortpflanzungsmedizingesetz setzt drei klare Grenzen:
Kein Geld
Samen darf nicht verkauft werden. Erlaubt ist nur der Ersatz nachgewiesener Auslagen, etwa für Tests oder die Anfahrt, gegen Beleg (§16 FMedG).
Keine gewerbliche Vermittlung
Niemand darf an der Vermittlung von Spendern verdienen. Deshalb ist diese Plattform gemeinnützig und kostenlos.
Maß halten
Kliniken dürfen einen Spender für höchstens drei Familien einsetzen. Privat zählt das niemand mit – haltet euch trotzdem daran, es schützt die Kinder vor einer unüberschaubaren Zahl an Halbgeschwistern.
Die Rechtslage im Detail: Ist private Samenspende in Österreich legal? →
Die schriftliche Vereinbarung
Privat ist sie nicht vorgeschrieben, aber sie ist das wichtigste Dokument, das ihr haben werdet. Sie zeigt schwarz auf weiß, was alle von Anfang an wollten. Hinein gehört:
- Dass die Spende freiwillig und unentgeltlich erfolgt, nur belegte Auslagen werden ersetzt.
- Die Methode: Bechermethode zu Hause oder Behandlung in einer Klinik.
- Die Rolle des Spenders: kein Kontakt, gelegentlicher Kontakt oder eine aktive Rolle im Leben des Kindes.
- Wie ihr es mit der Offenheit haltet: Darf das Kind später erfahren, wer der Spender ist? (Unsere Empfehlung: ja.)
- Dass keine Unterhalts- oder Sorgerechtsansprüche beabsichtigt sind.
- Der Stand der Gesundheitstests und wie oft der Spender bereits gespendet hat.
Für ID-verifizierte Mitglieder stellen wir eine Vorlage bereit. So eine Vereinbarung ersetzt kein Gericht, beugt aber Missverständnissen vor – und zeigt im Streitfall, was vereinbart war.
Diese Seite ist eine Orientierung, keine Rechts- oder medizinische Beratung. Bei konkreten Fragen zu Unterhalt, Sorgerecht oder Abstammung hilft eine Anwältin oder ein Anwalt für Familienrecht, bei medizinischen Fragen eure Ärztin oder euer Arzt.
Sicher suchen, kostenlos
Alle Profile auf unserer Plattform sind mit Selfie und Ausweis verifiziert. Registriere dich kostenlos und such in deinem Tempo.