Von Jenni Kubin & Clara Weichselbraun · 7. Juni 2026
Private Spende, Samenbank oder Cryos aus Dänemark: was passt zu euch?
Private Samenspende, heimische Samenbank oder Cryos aus Dänemark im Vergleich: Kosten, Recht, frisch oder tiefgefroren, Auswahl und Aufwand.

Wer in Österreich Spendersamen sucht, hat im Grunde drei Wege: die private Spende von einer Person, die man selbst findet, eine Behandlung über eine Klinik mit eigener oder angeschlossener Samenbank, oder den Bezug aus einer großen Auslandsbank wie Cryos in Dänemark. Alle drei führen zum selben Ziel, unterscheiden sich aber stark bei Kosten, Recht, Auswahl und Aufwand. Hier der ehrliche Vergleich.
Was kostet es?
Der größte Unterschied. Eine private Spende ist kostenlos. Es darf nur ein echter, belegter Auslagenersatz fließen, etwa für einen Test oder die Fahrt, mehr nicht.
Über eine Bank wird es teuer. Cryos ist die weltweit größte Samenbank, sitzt im dänischen Aarhus und liefert auch an Kliniken in Österreich. Eine einzelne Portion kostet je nach Auswahl meist mehrere hundert Euro, dazu kommen Versand, Lagerung und die Kosten der Klinik für die eigentliche Behandlung. Weil es selten beim ersten Versuch klappt, summiert sich das über mehrere Zyklen schnell zu einem vierstelligen Betrag.
Frisch oder tiefgefroren?
Bei der privaten Spende verwendet ihr frischen Samen, direkt und ohne Umweg. Aus der Bank kommt er tiefgefroren und wird vor der Behandlung aufgetaut. Das Einfrieren hat einen Preis: Tiefgefrorener Spendersamen schlägt pro Zyklus etwas seltener an als frischer (Kop u. a., 2022). Dafür ist das Material aus der Bank in Quarantäne gelegt und gründlich auf Infektionen geprüft. Bei der privaten Spende übernehmt ihr diese Prüfung selbst, indem ihr aktuelle Gesundheitstests des Spenders verlangt.
Wie steht es rechtlich?
Hier wird es wichtig. In Österreich darf gespendeter Samen aus einer Bank nur über eine Klinik verwendet werden, also im Rahmen einer medizinisch unterstützten Fortpflanzung. Und das österreichische Recht gibt dem Kind ab 14 das Recht, zu erfahren, wer der Spender war. Anonyme Spende, wie sie Cryos teils anbietet, lässt sich auf diesem Weg in Österreich nicht umsetzen. Die private Spende organisiert ihr dagegen selbst, unentgeltlich und ohne Vermittlung. Was dabei erlaubt ist und was nicht, steht in Ist private Samenspende in Österreich legal?.
Auswahl: ein Katalog gegen einen Menschen
Bei einer Bank wie Cryos blättert ihr durch einen großen Katalog. Hunderte Profile, geordnet nach Größe, Haarfarbe, Augenfarbe, Beruf, manchmal mit Kinderfoto oder Stimmprobe. Wer eine breite Auswahl nach klaren Kriterien will, bekommt sie hier.
Privat ist der Pool kleiner, dafür kennt ihr die Person. Ihr schreibt, telefoniert, trefft euch und entscheidet aus dem Bauch heraus, ob ihr einander vertraut. Und das Kind kann denselben Menschen später kennenlernen, nicht nur ein Profil aus dem Katalog. Welcher Weg besser ist, hängt davon ab, was euch mehr zählt: Auswahl oder Nähe.
Wie schnell geht es?
Über die Bank läuft vieles geregelt, aber nicht unbedingt schnell. Ihr braucht einen Klinikplatz, bestellt die Portion, stimmt Termine ab. Je nach Klinik und Wartezeit ziehen sich die ersten Wochen.
Privat gibt es keine Warteliste, aber das Finden eines passenden Spenders kann genauso dauern, oder schneller gehen, je nachdem, wie schnell ihr jemanden findet, dem ihr vertraut.
Wie viel müsst ihr selbst organisieren?
Das ist die Kehrseite des Sparens. Bei der Bank ist vieles für euch erledigt: Auswahl, Screening, Versand. Ihr bucht Termine in der Klinik und zahlt. Bei der privaten Spende liegt das Organisieren bei euch, vom Finden eines vertrauenswürdigen Spenders über die Gesundheitstests bis zur Insemination zu Hause mit der Bechermethode. Mehr Freiheit, aber auch mehr Verantwortung.
Was passt zu euch?
Eine Bank wie Cryos ergibt Sinn, wenn ihr niemanden im Umfeld habt, das Screening lieber abgeben wollt und eine große Auswahl schätzt. Die private Spende passt, wenn euch geringe Kosten, frischer Samen und ein persönlicher, direkter Kontakt wichtiger sind und ihr bereit seid, die Organisation selbst zu stemmen.
Häufige Fragen
Darf ich tiefgefrorenen Samen einer Bank zu Hause selbst verwenden?
In der Regel nicht. Spendersamen aus einer Bank ist in Österreich an die Behandlung in einer Klinik gebunden. Der Weg „zu Hause selbst" ist die private Spende mit frischem Samen.
Was kostet eine Behandlung mit Cryos ungefähr?
Plane pro Portion mehrere hundert Euro ein, dazu Versand und die Kosten der Klinik. Über mehrere Versuche kommt schnell ein vierstelliger Betrag zusammen. Aktuelle Preise findest du direkt bei Cryos und deiner Klinik.
Ist frischer Samen besser als tiefgefrorener?
Pro Zyklus schneidet frischer Samen etwas besser ab (Kop u. a., 2022). Dafür ist tiefgefrorener Bank-Samen geprüft und in Quarantäne gelegt. Bei der privaten Spende ersetzt ihr diese Sicherheit durch aktuelle Gesundheitstests des Spenders.
Wenn ihr den privaten Weg gehen wollt, zeigt euch der Leitfaden Samenspender in Österreich finden, wie ihr sicher und in Ruhe jemanden findet.