Von Jenni Kubin & Clara Weichselbraun · 15. April 2026 · aktualisiert 7. Juni 2026
Erfahrungsbericht: unsere private Samenspende in Österreich
Wie wir als Paar einen Spender gesucht haben, drei Männer trafen und am Ende mit der Bechermethode Eltern wurden.

Wir sind Jenni und Clara, ein Paar aus Wien, und wir wollten ein Kind. Was wie ein einfacher Satz klingt, war in Wirklichkeit ein Jahr voller Nachrichten, abgesagter Treffen und Hoffnung. Das hier ist unsere Geschichte, so ehrlich, wie wir sie erzählen können. Wir schreiben sie auf, weil wir uns damals genau so einen Bericht gewünscht hätten.
Warum für uns nur eine private Spende infrage kam
Wir sind zwei Frauen. Sperma gehört in unserer Beziehung nicht dazu, also brauchten wir einen Spender. Die Klinik war eine Möglichkeit, aber sie ist teuer, und für ein Frauenpaar fühlte sich der Weg dorthin nach viel Bürokratie und wenig Nähe an. Wir wollten lieber die Bechermethode: die Spende zu Hause, mit einem Becher und einer Spritze, ganz ohne Geschlechtsverkehr.
Dieser Punkt war uns von Anfang an wichtig. Wir wollten keine natürliche Insemination, also keinen Sex mit dem Spender. Clara ist Hebamme und kannte die medizinische Seite gut. Das Organisieren drumherum war für uns beide neu.
Die Suche: Tinder und ein altes Forum
Wo findet man überhaupt einen Spender? Wir haben es an zwei Orten versucht. Auf Tinder, ja, wirklich, und im Forum samenspende.at. Beides fühlte sich improvisiert an. Alte Profile, unscharfe Fotos, viel Hin und Her, und schwer zu erkennen, wer es ernst meinte. Man schreibt fremden Menschen über etwas zutiefst Persönliches und hat dabei kaum etwas in der Hand.
Drei Männer, drei sehr unterschiedliche Gespräche
Mit dem ersten Spender lief es zunächst freundlich. Dann drängte er auf eine „natürliche" Insemination, also auf Sex. Das kam für uns nie infrage, und die Art, wie er nachhakte, fühlte sich übergriffig an. Wir haben den Kontakt beendet.
Der zweite war das Gegenteil: ruhig, ernsthaft, einverstanden mit der Bechermethode. Wir haben uns getroffen, alles vorbereitet, den richtigen Tag abgepasst. An dem Tag klappte es dann körperlich einfach nicht, er konnte keine Probe abgeben. Für alle war das ein bitterer Moment, und niemand konnte etwas dafür.
Der dritte Spender war offen über seine Gesundheit, hatte nichts dagegen, dass das Kind ihn später einmal kennenlernt, und blieb auch gelassen, als wir nervös waren. Mit ihm hat es funktioniert, über die Bechermethode. Nicht beim ersten Mal: Wir haben uns mehrmals getroffen, ein paar Anläufe gebraucht und dabei einiges gelernt. Aber wir blieben dran, und irgendwann war es so weit.
Was uns am meisten geschafft hat
Nicht das Medizinische. Das Organisieren. Den Zyklus im Blick behalten, parallel mit drei fremden Männern schreiben, die Absagen wegstecken, und nie ganz sicher sein, ob jemand ehrlich ist, was seine Gesundheit angeht oder wie oft er schon gespendet hat. Vertrauen über eine Tinder-Nachricht aufzubauen ist fast unmöglich. Genau dieser Teil hat uns am meisten Kraft gekostet, mehr als alles andere.
Warum es diese Plattform gibt
Aus dieser Erschöpfung ist die Idee entstanden. Wir haben gebaut, was wir uns damals gewünscht hätten: verifizierte Profile, geschützte Privatsphäre, ein klarer Rahmen, und das alles kostenlos. Damit der schwierige Teil die Entscheidung bleibt, ein Kind zu bekommen, und nicht das Suchen.
Wenn du gerade selbst am Anfang stehst, findest du im Leitfaden Samenspender in Österreich finden, wie du sicher und in Ruhe jemanden findest. Und falls dich interessiert, wie die Methode abläuft, die bei uns funktioniert hat: Wir haben sie Schritt für Schritt in der Anleitung zur Bechermethode aufgeschrieben.
Was wir rückblickend anders machen würden
- Von Anfang an klarmachen, welche Methode für dich infrage kommt. Für uns war das ausschließlich die Bechermethode. Manche wünschen sich eine natürliche Insemination, und auch das ist eine legitime Entscheidung. Wichtig ist nur, dass beide Seiten dasselbe wollen. Sobald jemand deine Wahl nicht respektiert oder dich drängt, beende das Gespräch.
- Von Anfang an nach aktuellen Gesundheitstests fragen, am besten schriftlich.
- Nicht mit mehreren gleichzeitig jonglieren, sondern einem Menschen vertrauen, bei dem das Bauchgefühl wirklich stimmt.
Und das Wichtigste: Es blieb bei uns immer unentgeltlich und ohne Druck. Falls du dich fragst, was dabei rechtlich erlaubt ist, haben wir das in Ist private Samenspende in Österreich legal? zusammengefasst.
Unser Kind ist heute hier. Der Weg war anstrengend, aber er hat sich gelohnt, und wir würden ihn wieder gehen.